Eine ganz besondere Freundschaft

Nepal, 13.Oktober 2026

Es ist genau vier Jahre her, als ich das erste Mal nach Nepal kam. Es war im Oktober 2022 während meiner Weltreise. Ich erinnere mich, dass ich froh war, das hektische und laute Indien zu verlassen. Nach Nepal zu kommen, war wie ein nach Hause kommen: die Landschaft wunderschön, die Kultur total interessant und die Menschen einfach superfreundlich. Damals lernte ich auf meiner Trekkingreise Tenzin kennen, einen jungen Menschen aus Tibet. Eine Begegnung der besonderen Art. An jenem Abend in den Bergen der Annapurna-Region unterhielten wir uns stundenlang bei einem heißen Tee über den Buddhismus, Tibet und das Leben. Kurz vor meiner Abreise spielten wir in Kathmandu noch eine Runde Basketball und gingen mit seinen Freunden essen. Damals wusste ich noch nicht, dass ich ihn im April 2024 nach meiner Trekkingtour zum Mount Everest Base Camp wiedersehen werde.

Für mich ist diese Freundschaft mit Tenzin ein Geschenk und erinnert mich daran, wie wertvoll die Begegnungen sind, die uns das Leben schenkt. 

Bei dieser zweiten Nepalreise plante ich natürlich auch das Wiedersehen mit Tenzin. Eine Woche verbrachten wir zusammen in Kathmandu, spielten Fussball, trafen seine Freunde und unternahmen den einen oder anderen Ausflug. Vor wenigen Tagen reiste ich erneut nach Nepal, zum dritten Mal. Die Vorfreude war groß, denn ich hatte dieses Land und seine Menschen lieben gelernt. Und dann ist da natürlich Tenzin. Mittlerweile verbindet uns eine ganz besondere Freundschaft. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Welten, Kulturen und Religionen. Er ist Buddhist, ich bin Christ. Er stammt aus Tibet und lebt in Nepal, ich komme aus Deutschland und lebe in Tansania. Und trotzdem verstehen wir uns auf eine ganz besondere Weise. Für mich ist diese Freundschaft ein wunderschönes Beispiel dafür, dass Herkunft, Religion und Entfernung keine Grenzen sein müssen, wenn Menschen sich von Herzen verbunden fühlen. 

Aufgrund dieser Verbundenheit und derer zum Land, war es vor wenigen Wochen umso schmerzlicher, die furchtbaren Bilder der schrecklichen Flut zu sehen. Mehr als 1000 Menschen starben und mehr als fünftausend Menschen werden immer noch vermisst. Nepal ist eines der Länder, die am stärksten unter den klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte leiden. Naturkatastrophen sind keine Seltenheit mehr. Lawinen, Erdrutsche, Felstürze, Gletscherseeausbrüche und Sturzfluten. Diesen Naturgefahren sind die Menschen in dieser faszinierenden Bergwelt immer häufiger ausgesetzt. Auch ich wurde damit nun indirekt konfrontiert. Gemeinsam mit ein paar Freunden hatte ich mir vorgenommen, den Manaslu Circuit Trek zu absolvieren. Dafür flog ich letzten Samstag von Tansania nach Nepal. Am Sonntagmorgen hörte ich dann von einer Sturzflut im Manaslu-Gebiet, die wieder einmal Brücken, Wege und Häuser zerstörte. Zudem werden fünf Menschen vermisst. Den von der Flut betroffenen Streckenabschnitt hätten wir normalerweise zwei Tage später passieren sollen, doch die Regierung sperrte die Route. Für uns hieß das, umzuschwenken und eine Alternative zu suchen. Nach intensiver Beratung entschieden sich Manu und Daniela, zwei meiner Mitreisenden, für eine Trekkingtour im Everest-Gebiet. Da Detlef und ich bereits 2024 diese beeindruckende Bergregion erkundeten, entschieden wir uns nun für die Annapurna-Region und kombinieren zwei Routen miteinander: den Mardi Himal und den Khopra Danda Trek. Auch Frances konnte sich mit diesem Gedanken anfreunden und so fuhren wir am Montag von Kathmandu nach Pokhara.

Pokhara, diese wundervolle Stadt, kannte ich bereits von meiner Weltreise. Sie liegt etwa 200 Kilometer westlich von Kathmandu. Während man in Deutschland möglicherweise nur zwei bis drei Stunden für jene Entfernung benötigt, waren es gestern acht Stunden. Die Straßen in Nepal sind schon etwas abenteuerlich. Sie sind holprig, kurvenreich, schmal, staubig und schlängeln sich entlang steiler Berghänge und tiefer Abgründe. Zudem sind sie von Schlaglöchern übersät und nicht selten von Erdrutschen gekennzeichnet. Wer hier am Steuer sitzt, muss sein Handwerk verstehen und höchst aufmerksam sein. Gern hätte ich während dieser Tortur für Körper und Geist ein Auge zugemacht, aber mehr als ein nur wenige Sekunden andauerndes Dahinschlummern war nicht möglich. Insgesamt war es nichts anderes als eine kräftezehrende Expedition auf vier Rädern.

Zurück nach Pokhara. Die zweitgrößte Stadt des Landes ist für mich eine der schönsten Städte Nepals. Sauber, strukturierter und weniger hektisch als Kathmandu. Die Stadt liegt am Phewa-See, an welchem ich gestern bereits zum zweiten Mal in meinem Leben spazieren ging und dabei die Menschen beobachtete, die sich hier sportlich betätigten oder einfach entspannten. Hier ziemlich genau im geographischen Mittelpunkt des Landes starteten wir heute Morgen unser Trekkingabenteuer. Dazu fuhren wir nach Kande und von dort aus liefen wir nach Deurali. Auf den ersten Kilometern ging es auf herrlich angelegten Steintreppen gut bergauf und wir durchquerten dabei dichte, grüne Bergwälder. Begleitet wurden wir vom unaufhörlichen und durchdringenden Zirpen und Sirren der Insekten. Entlang des Weges sorgten die kleinen charmanten Bergdörfer mit ihren bunten Teehäusern für Abwechslung. Nach vier Stunden gemütlichen Wanderns, inklusive einer Stunde des Stärkens am Mittag, bezogen wir auf 2100 Metern Höhe unser erstes Nachtquartier. Von hier aus bot sich uns eine wunderbare Aussicht auf das Annapurna-Massiv mit seinen schnee- und eisbedeckten Gipfeln. Fortsetzung folgt….

A very special friendship

It is exactly four years since I first came to Nepal. It was in October 2022, during my journey around the world. I remember how happy I was to leave the hectic and noisy India behind. Coming to Nepal felt like coming home: the landscape was beautiful, the culture was very interesting, and the people were incredibly friendly. During my trekking trip back then, I met Tenzin, a young man from Tibet. It was a very special encounter. That evening, in the mountains of the Annapurna region, we spent hours talking over hot tea about Buddhism, Tibet, and life. Shortly before I left Nepal, we played a game of basketball together in Kathmandu and went out for dinner with his friends. At that time, I did not know that I would see him again in April 2024, after my trek to Mount Everest Base Camp. During my second trip to Nepal, of course, I also planned to meet Tenzin again. We spent a week together in Kathmandu, played football, met his friends, and went on a few trips. A few days ago, I travelled to Nepal again, for the third time. I was really looking forward to it because I had come to love this country and its people. And, of course, there is Tenzin. Over time, a very special friendship has developed between us. Two people from different worlds, cultures, and religions. He is Buddhist, I am Christian. He comes from Tibet and lives in Nepal, I come from Germany and live in Tanzania. And yet we understand each other in a very special way. For me, this friendship is a beautiful example that our backgrounds, religions, and the distance between us do not have to be barriers when people feel truly connected from the heart. Because of this connection and my connection to the country, it was even more painful to see the terrible images of the devastating floods a few weeks ago. More than 1,000 people died, and more than 5,000 people are still missing. Nepal is one of the countries most affected by climate change over the past decades. Natural disasters are no longer unusual. Avalanches, landslides, rockfalls, glacial lake outburst floods, and flash floods. People living in this fascinating mountain world are facing these natural dangers more and more often. Now I have also been indirectly affected by them. Together with a few friends, I had planned to complete the Manaslu Circuit Trek. For this reason, I flew from Tanzania to Nepal last Saturday. On Sunday morning, I heard about a flash flood in the Manaslu region that had once again destroyed bridges, trails, and houses. Five people are also missing. Normally, we would have passed through the section affected by the flood two days later, but the government closed the route. For us, this meant changing our plans and looking for an alternative. After many discussions, Manu and Daniela, two of my travel companions, decided to go trekking in the Everest region. Since Detlef and I had already explored this impressive mountain region in 2024, we decided to go to the Annapurna region instead and combine two routes: the Mardi Himal Trek and the Khopra Danda Trek. Frances also liked this idea, so we travelled from Kathmandu to Pokhara on Monday. I already knew Pokhara, this wonderful city, from my journey around the world. It is located about 200 kilometres west of Kathmandu. While in Germany you might need only two or three hours for this distance, yesterday it took us eight hours. The roads in Nepal are quite an adventure. They are bumpy, winding, narrow, and dusty, and they follow steep mountain slopes and deep drops. They are also full of potholes and often affected by landslides. Anyone driving here really needs to know what they are doing and stay extremely focused. During this exhausting journey, which was a real challenge for both body and mind, I would have loved to close my eyes for a while, but I could only doze off for a few seconds at a time. All in all, it was nothing more than an exhausting expedition on four wheels. But back to Pokhara. The second-largest city in the country is, in my opinion, one of the most beautiful cities in Nepal. Clean, more organised, and less hectic than Kathmandu. The city is located beside Phewa Lake, where I went for a walk yesterday for the second time in my life, watching people doing sports or simply relaxing. Here, almost exactly in the geographical centre of the country, we started our trekking adventure this morning. First, we drove to Kande, and from there we walked to Deurali. During the first few kilometres, we climbed many beautifully built stone steps and walked through dense, green mountain forests. We were accompanied by the constant and loud chirping and buzzing of insects. Along the way, the small, charming mountain villages with their colourful teahouses added some variety to the walk. After four hours of relaxed hiking, including a one-hour lunch break to regain our energy, we arrived at our first overnight accommodation at an altitude of 2,100 metres. From here, we enjoyed a wonderful view of the Annapurna Massif with its snow- and ice-covered peaks. To be continued….

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