Nepal, 14. Oktober 2026
Kann man schöner in den Tag starten als mit einem Blick auf die atemberaubenden schneebedeckten Gipfel des Himalayas? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Ich zumindest hatte heute Morgen ein ganz besonderes Gefühl, als ich auf diese weißen Riesen blickte. Ich fühlte mich klein und ehrfürchtig aber irgendwie auch lebendig. Die Berge ließen mich staunen aber auch träumen und für einen Moment alles vergessen. Sie strahlen seit jeher eine Art Magie aus, die mich fasziniert. Mit diesem wunderbaren Gefühl und dem Wissen diesen Bergen in den nächsten Tagen noch näher zu kommen, liefen wir 8.25 Uhr los. Der heutige Tag führte uns durch schöne subtropische Bergwälder. Diese erinnerten mich an die Regenwälder, denen ich auch in den unteren Höhen des Kilimandscharo begegnete. Riesige Bäume, üppiges Grün, verwurzelte Wanderwege und das Gefühl man befindet sich in einer verwunschenen Märchenwelt. Aber doch sind diese Bergwälder etwas anders. Hier lief ich oft auch über alte Steintreppen, die sich mehrere hundert Meter entlang der steilen Hänge zogen. Markant das unaufhörliche Zirpen der Insekten. Im ersten Streckenabschnitt hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, eine diesen kleinen und fast unscheinbaren Zikaden zu finden und zu fotografieren. Die größte Herausforderung war, das laute und anhaltende Sirren zu lokalisieren, denn dieses elektrisch klingende Geräusch erfüllte fast den ganzen Wald. Mit etwas Glück konnte ich einen dieser tierischen Musiker am Wegesrand entdecken und seinem kleinen Konzert aus nächster Nähe für ein paar Minuten lauschen.

Ansonsten verlief unser zweiter Trekkingtag insgesamt recht unspektakulär. Zwischendurch legten wir kleine Trinkpausen ein, meist an wunderschönen Aussichtspunkten, von denen man die Annapurna-Range betrachten konnte. Erst später zogen ein paar Wolken auf und verdeckten die Berge bis zum frühen Abend. Natürlich begegneten wir immer wieder anderen Wanderern, die entweder, wie wir, auf dem Weg nach oben waren oder bereits den Abstieg angetreten hatten. Schließlich erreichten wir auf etwa 2780 Metern Höhe unsere heutige Unterkunft. Und die war, verglichen mit unserer letzten Übernachtungsmöglichkeit, durchaus gewöhnungsbedürftig. Die kleine Anlage bestand aus wenigen einfachen Gebäuden. In einem befanden sich drei Gästezimmer, während ein weiterer flacher Bau den gemeinsamen Aufenthaltsraum, die Küche und auch unseren kleinen Schlafraum beherbergte. Das Zimmer, das ich mir mit Detlef teilte, erinnerte eher an einen einfachen Holzverschlag, in dem gerade einmal zwei schlichte Betten Platz fanden. Dazu gab es ein winziges separates Toilettenhäuschen, das sich alle Gäste teilen mussten. Warmes Wasser? Fehlanzeige! Also hieß es heute, sich mit kaltem Wasser etwas frisch zu machen. Handys und andere Geräte konnte man lediglich im Aufenthaltsraum laden, weil es nur dort zwei Steckdosen gab. Alles war ziemlich spartanisch, aber so ist das Leben nun einmal hier oben in den Bergen. Und schließlich habe ich auf meinen Reisen auch schon deutlich einfachere Unterkünfte erlebt. Dafür entschädigte uns der wunderschöne Blick hinunter ins Tal, auch in der Nacht, als in der Ferne die Lichter der Städte und Dörfer leuchteten. Der junge Mann, der diese kleine Unterkunft betrieb, war ausgesprochen herzlich und freundlich. Auch das Abendessen war richtig lecker. Heute gab es für mich Dal Bhat, ein Nationalgericht. Es besteht aus Reis (Bhat), einer würzigen Linsensuppe (Dal) und verschiedenen Gemüsebeilagen, häufig ergänzt durch Curry oder eingelegtes Gemüse. Ein einfaches, nahrhaftes und unglaublich beliebtes Essen, das besonders bei den Menschen in den Bergen täglich auf den Tisch kommt. Unser Guide und unsere beiden Porter lieben es. Natürlich habe ich Dal Bhat auf meinen früheren Nepalreisen schon mehrfach gegessen, aber auf meiner inzwischen dritten Reise war es heute tatsächlich das erste Mal. Ein schöner Abschluss eines ruhigen Trekkingtages. Und auch wenn der Komfort hier oben etwas zu wünschen übrig lässt, sind es doch genau diese einfachen Erlebnisse, die für mich zu einem echten Abenteuer in den Bergen Nepals dazugehören.


The English translation
Enchanted Mountain Forests
Is there a better way to start the day than with a view of the breathtaking snow-covered peaks of the Himalayas? Maybe, maybe not. But this morning, I felt something very special as I looked at these white giants. I felt small and full of respect, but somehow also very much alive. The mountains made me wonder and dream, and for a moment, I forgot everything else. They have always had a special kind of magic that fascinates me. With this wonderful feeling, and knowing that we would get even closer to these mountains over the next few days, we started walking at 8:25 a.m.
Today’s route took us through beautiful subtropical mountain forests. They reminded me of the rainforests I had seen at the lower altitudes of Mount Kilimanjaro. Huge trees, beautiful green vegetation, paths full of roots, and the feeling of walking through an enchanted fairy-tale forest. But these mountain forests were also a little different. Here, I often walked on old stone steps that continued for several hundred metres along the steep mountain slopes. Another special thing was the constant chirping of insects. During the first part of our walk, I had given myself a little mission: to find and photograph one of these small and almost invisible cicadas. The biggest challenge was finding where the loud and never-ending sound was coming from, because this almost electric noise filled the entire forest. With a little luck, I finally discovered one of these little animal musicians beside the path and was able to listen to its small concert from very close for a few minutes.
Apart from that, our second trekking day was quite calm and without any big surprises. From time to time, we stopped for short drinking breaks, usually at beautiful viewpoints where we could enjoy the Annapurna mountain range. Later in the day, some clouds appeared and covered the mountains until the early evening. Of course, we also met other trekkers along the way. Some were walking uphill like us, while others were already on their way down.
Finally, we reached our accommodation for the night at around 2,780 metres. Compared to the place where we had stayed the night before, this one definitely needed some getting used to. The small place had only a few very simple buildings. One building had three guest rooms, while another low building contained the common room, the kitchen, and our little bedroom. The room I shared with Detlef looked more like a simple wooden shed, with just enough space for two basic beds. There was also a tiny separate toilet building that all the guests had to share. Hot water? Not available! So today, we had to wash ourselves with cold water. We could only charge our phones and other devices in the common room because that was the only place with two power sockets. Everything was very basic, but that is simply life up here in the mountains. And after all, I have experienced much simpler accommodation during my travels.
But we were rewarded with a beautiful view down into the valley, even at night when we could see the lights of towns and villages shining in the distance. The young man who ran this little guesthouse was extremely kind and friendly. And the dinner was really delicious.
Today, I had Dal Bhat, one of Nepal’s national dishes. It consists of rice (Bhat), a spicy lentil soup (Dal), and different vegetable side dishes, often served with curry or pickled vegetables. It is a simple, healthy, and very popular meal, especially among people living in the mountains, who often eat it every day. Our guide and our two porters love it. Of course, I had already eaten Dal Bhat many times during my previous trips to Nepal, but surprisingly, today was the first time on my third journey to this country.
It was a lovely ending to a peaceful day of trekking. And even though there is not much comfort up here in the mountains, these simple experiences are exactly what makes a real adventure in the mountains of Nepal so special to me.




