Sonnenaufgang am Fishtail

Nepal, 16. Oktober 2026

Es war kurz nach 5:30 Uhr, als ich heute Morgen auf dem Viewpoint des Mardi Himal Treks stand. 4200 Meter über dem Meeresspiegel, die Sonne ging auf und färbte den Himmel in goldgelbe Töne, und ich schaute auf die imposanten schneebedeckten Gipfel des Annapurna-Massivs. Einer dieser Berge hatte es mir besonders angetan. Sein Name: Machapuchare. Er ist einer der bekanntesten und markantesten Berge Nepals. Das Besondere an diesem 6993 Meter hohen Berg ist seine außergewöhnliche Gipfelform. Von einer Seite erkennt man seine beiden Gipfelspitzen, die an die Schwanzflosse eines Fisches erinnern. Deswegen nennt man ihn auch Fishtail. Aus einer anderen Blickrichtung sind diese Spitzen nicht zu erkennen, weshalb er von dort wie eine steil aufragende Pyramide aussieht. Sein Erscheinungsbild verändert sich also je nach Standort. Offiziell gilt er als noch nie bestiegen. Zwar gab es 1957 einen Besteigungsversuch, doch die beiden Bergsteiger kehrten etwa 46 Meter unterhalb des Gipfels um. Damit respektierten sie eine Vereinbarung, den Gipfel nicht zu betreten. Für die Menschen der Region gilt er nämlich als heilig, weil er unter anderem als Wohnsitz des Hindugottes Shiva verehrt wird. Nepals Regierung vergibt bis heute keine Genehmigungen für die Besteigung des Machapuchare. Ich finde es faszinierend, dass es in einer Welt, in der die Menschen danach streben, immer höhere Gipfel zu erreichen, einen Berg gibt, der aus Respekt vor Glauben und Tradition unberührt bleiben soll. Neben diesem beeindruckenden Berg hatten wir noch einen wunderbaren Blick auf den Annapurna South (7219 m), Hiunchuli (6441 m), Annapurna I (8091 m) und viele weitere Gipfel.

Vorausgegangen war diesem Moment ein etwa 90-minütiger Aufstieg. Dieser war verglichen mit dem Kilimandscharo, auf dessen Gipfel ich vor wenigen Wochen zum dritten Mal stand, nicht sonderlich schwer, aufgrund der vielen Treppenstufen (es waren Tausende) aber dennoch etwas anstrengend. Für den Aufstieg stand ich mitten in der Nacht, kurz nach 3 Uhr, auf. Das stellte auch überhaupt kein Problem dar, denn geschlafen hatte ich kaum. Aufgrund einer kleinen, aber doch relativ nervigen Maus, die sich das Zimmer von Detlef und mir als Aufenthaltsraum ausgesucht hatte, fand ich kaum Schlaf. Außerdem veranstalteten ihre Artgenossen auf dem Wellblechdach noch ein nächtliches Wettrennen. Wir ließen schließlich das Licht an, in der Hoffnung, dass das Nagetier eher dunklere Gefilde bevorzugen würde. Detlef taufte das Camp später liebevoll „Mäusecamp“.

Für den Abstieg vom Aussichtspunkt benötigte ich etwa eine Stunde und nach einem kleinen Frühstück ging es weiter bergab bis zum Forest Camp auf 2550 Metern. Auf dem Weg hinab musste ich natürlich wieder unzählige Steintreppen (mehrere Tausend Stufen) bewältigen, eine Herausforderung für Körper und Geist. Das Schwierige daran ist, dass die Stufen alle unterschiedlich hoch sind. Manche sind richtig steil, andere wiederum ganz flach. Dadurch findet man beim Abstieg kaum einen gleichmäßigen Laufrhythmus und muss sich ständig auf die nächste Stufe einstellen. Gerade beim Bergabgehen ist das für die Beine und Gelenke ziemlich belastend.

Als ich schließlich das Forest Camp erreichte, war ich froh, die vielen Treppenstufen für heute hinter mir zu haben. In den Beinen steckte die Anstrengung des langen Abstiegs, aber in meinen Gedanken waren noch immer die beeindruckenden Bilder vom frühen Morgen. Der Sonnenaufgang vor der gewaltigen Kulisse des Annapurna-Massivs war zweifellos einer der schönsten Momente unserer bisherigen Trekkingtour. Und wieder einmal wurde mir bewusst, warum ich die Berge so liebe. Es sind diese besonderen Augenblicke, für die sich auch ein anstrengender Aufstieg und eine nahezu schlaflose Nacht lohnen.

Sunrise at Fishtail

It was shortly after 5:30 a.m. when I stood at the viewpoint of the Mardi Himal Trek this morning. At 4,200 meters above sea level, the sun was rising and painting the sky in golden-yellow colors, while I looked at the impressive snow-covered peaks of the Annapurna Massif. One of these mountains especially caught my attention. Its name: Machapuchare. It is one of the most famous and distinctive mountains in Nepal. What makes this 6,993-meter-high mountain so special is its unusual summit shape. From one side, you can see its two peaks, which look like the tail fin of a fish. That is why it is also called Fishtail. From another direction, these two peaks are not visible, and the mountain looks like a steep pyramid. So its appearance changes depending on where you stand.

Officially, the mountain is considered never to have been climbed. There was an attempt in 1957, but the two climbers turned back about 46 meters below the summit. By doing so, they respected an agreement not to set foot on the summit. For the people of the region, the mountain is sacred because it is believed to be one of the homes of the Hindu god Shiva. To this day, the Nepalese government does not issue permits to climb Machapuchare. I find it fascinating that in a world where people are always trying to reach higher and higher summits, there is a mountain that should remain untouched out of respect for religion and tradition.

Besides this impressive mountain, we also had wonderful views of Annapurna South (7,219 m), Hiunchuli (6,441 m), Annapurna I (8,091 m), and many other peaks. Before enjoying this special moment, we had climbed for about 90 minutes. Compared to Kilimanjaro, whose summit I reached for the third time just a few weeks ago, the climb was not particularly difficult. However, the many steps (there were thousands of them) still made it quite exhausting.

For this climb, I got up in the middle of the night, shortly after 3 a.m. That was not a problem at all because I had hardly slept anyway. A small but rather annoying mouse had decided to use the room that Detlef and I shared as its personal living room. Because of this little visitor, I hardly got any sleep. To make matters worse, its friends were having a nighttime race across the corrugated metal roof. Eventually, we left the light on, hoping that our little visitor would prefer darker places. Detlef later gave the camp the lovely nickname “Mouse Camp.”

It took me about an hour to walk back down from the viewpoint. After a small breakfast, we continued our descent to Forest Camp at 2,550 meters. On the way down, we once again had to manage countless stone steps (several thousand of them) – a challenge for both body and mind. The difficult thing about these steps is that they are all different heights. Some are very steep, while others are almost flat. This makes it difficult to find a steady walking rhythm, and you constantly have to adjust to the next step. Especially when walking downhill, this puts quite a lot of stress on your legs and joints.

When we finally reached Forest Camp, I was happy to have all those steps behind me for the day. My legs were tired from the long descent, but the wonderful images from the early morning were still in my mind. The sunrise in front of the magnificent Annapurna Massif was undoubtedly one of the most beautiful moments of our trekking adventure so far. And once again, I realized why I love the mountains so much. It is these special moments that make even a difficult climb and an almost sleepless night worth it.

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