Nepal, 15. Oktober 2026
Etwas erleichtert war ich, als die Morgenstunde dämmerte und ich das kleine Bett in diesem kargen und kalten Raum verlassen konnte. Die Nacht war keinesfalls wohltuend. Einerseits ließ mich das Geräusch einer Maus oder ähnlichen Getiers schlecht einschlafen, zumal ich die Vermutung hatte, dieses Tierchen würde mich gern besuchen wollen. Die leichten Rücken- und Bauchschmerzen sowie das Schnarchen, welches aus dem Nachbarzimmer durch die Wände hallte, trugen ihr Übriges zu einer fast schlaflosen Nacht bei. Als ich kurz nach fünf Uhr den Schritt vor die Tür wagte, färbte sich der Himmel und erstrahlte in warmen Farben, die den neuen Tag einläuteten. Zum Frühstück wählte ich Müsli mit Früchten, anschließend machten wir uns kurz nach acht Uhr auf den Weg zum nächsten Camp. Zunächst führte uns der Trek erneut durch die grünen Bergwälder von denen wir am gestrigen Tag bereits einige durchquerten. So langsam aber sicher sehnten wir uns auch nach etwas Abwechslung im Landschaftsbild. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir schließlich das Low Camp auf fast 3000 Metern. An dieser Stelle möchte ich von den Fussbällen erzählen, die ich mit mir durch den Himalaya schleppe. Jetzt werden sich einige Leserinnen und Leser fragen, warum ich das tue. Andere wiederum wissen, dass ich leidenschaftlicher Fußballtrainer bin, der in Tansania eine Fussballakademie gründete und dessen Organisation „Karibuni Watu e.V.“ mehrere Projekte unterhält, bei den Sport (besonders Fussball) und Bildung miteinander verknüpft werden. In diesem Jahr haben unsere amerikanischen Partner namens „Northbound Foundation“ die Aktion „1000 Fußbälle – 1000 Chancen!“ ausgerufen. Mit dieser tollen Kampagne möchte man insgesamt 1000 Fußbälle an Kinder und Jugendliche verteilen, die oftmals nur wenige Möglichkeiten haben, Fußball zu spielen. Dabei geht es um weit mehr als nur einen Ball: Es geht um Freude, Gemeinschaft, Hoffnung und neue Chancen durch den Sport. Auch mein Verein Karibuni Watu e.V. ist Partner dieser wunderbaren Initiative. Und da ich gerade in Nepal unterwegs bin, nutze ich die Gelegenheit, auch hier Kindern mit einem Fußball eine kleine Freude zu bereiten. Denn Fußball verbindet Menschen, unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur. Manchmal braucht es nur einen Ball, um ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Und genau dieses Lächeln hatten Ranjit, Mönjil, Sita and Susmita als ich ihnen den Ball gab.


Anschließend machten wir uns auf den Weg zum High Camp, unserer nächsten Station auf dem Mardi Himal Trek. Schon bald ließen wir die Bergwälder hinter uns und erreichten einen lang gezogenen Bergrücken, der uns weiter in Richtung der hohen Gipfel führte. Die Landschaft veränderte sich zunehmend. Die Bäume verschwanden, die Vegetation wurde niedriger und die Umgebung karger. Leider spielte das Wetter nicht mehr ganz so mit wie am Morgen. Immer mehr Wolken zogen auf, die Sicht wurde schlechter und es wurde merklich frischer. Dazu wehte ein leichter, aber durchaus kühler Wind. Auf den letzten Metern verlangte uns der Weg noch einmal einiges ab. Zahlreiche steile Steintreppen führten bergauf und machten den Aufstieg zum High Camp noch einmal recht anstrengend. Ich war etwas schneller unterwegs und lief ein Stück voraus, während Detlef und Frances in ihrem eigenen Tempo folgten. Bereits gegen 12 Uhr erreichte ich schließlich das High Camp auf rund 3600 Metern Höhe und bezog mein Zimmer. Da wir noch den gesamten Nachmittag vor uns hatten, nutzte ich die Zeit, um ein wenig zu schreiben, einige Bilder zu bearbeiten und die bisherigen Erlebnisse unserer Trekkingtour festzuhalten. Später unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang, um mir das Camp etwas genauer anzuschauen. Eigentlich ist es weniger ein richtiger Ort als vielmehr eine lang gezogene Ansammlung zahlreicher Teehäuser und einfacher Unterkünfte, die sich entlang des Bergrückens verteilen. Hier machen die meisten Wanderer Station, bevor sie sich in aller Frühe auf den Weg zum Aussichtspunkt des Mardi Himal machen. Auch für uns steht dieses besondere Erlebnis am nächsten Morgen auf dem Programm. Am Abend erhielten wir deshalb noch eine kurze Einweisung zum geplanten Aufstieg, denn bereits mitten in der Nacht soll es losgehen.


Für einen besonders lustigen Moment sorgte am Abend allerdings noch Frances. Sie hatte sich zum Essen einen Wein mit Wasser bestellt. In ihrer Vorstellung sollte das wohl eine Art Weinschorle werden. Was dann allerdings auf dem Tisch landete, hatte mit einer gewöhnlichen Weinschorle herzlich wenig zu tun. Die Bedienung brachte nämlich zwei Gläser: eines mit warmem Wasser und eines mit einer klaren alkoholischen Flüssigkeit. Wie sich herausstellte, handelte es sich offenbar um Raksi, einen traditionellen nepalesischen Schnaps, der meist aus Reis oder Hirse hergestellt wird. Und der hatte es durchaus in sich! Statt eines gemütlichen Glases Wein gab es plötzlich Hochprozentiges mit rund 30 Prozent Alkohol. Frances probierte vorsichtig einen kleinen Schluck und merkte schnell, dass ihre Bestellung offenbar etwas anders verstanden worden war als gedacht. Ich konnte mir das Schmunzeln natürlich nicht verkneifen. Da ich selbst keinen Alkohol trinke, verzichtete ich dankend auf eine Kostprobe. So wurde aus einer eigentlich harmlosen Weinbestellung eine ziemlich lustige kleine Geschichte, über die wir noch eine ganze Weile lachen mussten.
Ein schöner und durchaus unterhaltsamer Abschluss unseres dritten Trekkingtages.




